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Der Kindergarten als Bildungseinrichtung

Der erste Kindergarten überhaupt wurde unter dem Namen „Engelgarten“ am 1. Juni 1828 von Teréz Gräfin von Brunszvik in Buda, in Ungarn gegründet. In jungen Jahren lebte sie unter anderem in der Schweiz, wo sie Pestalozzi begegnete. Diese Begegnung war entscheidend für ihre Zukunft. Sie wurde Vorreiterin der Frauenbildung in Ungarn. Sie selber erschuf elf Kindergärten, eine Berufsschule, eine höhere Mädchenbildungsanstalt (in Zusammenarbeit mit ihrer Nichte, Blanka Gräfin von Teleki) und eine Hauswirtschaftschule. 1836 gründete sie einen Verein für Eröffnung von Kindergärten. Ihre Erfahrungen gab sie auf ihren Reisen nach Deutschland, England, Italien usw. weiter. Sie selber lernte auch sehr viel aus den Erfahrungen in anderen Ländern. Bis zu ihrem Tod im Jahr 1861 wuchs die Zahl der Kindergärten in Ungarn auf 80. Sie forderte die Regierung zur Regelung der Bildung von Kindergärtnerinnen auf und schrieb mehrere Fachbücher über der Wichtigkeit frühkindlicher Erziehung. Seit 1837 läuft in Ungarn die Kindergärtnerinnen-Ausbildung ununterbrochen, seit dem 1. September 1959 als Hochschulstudium.

Nach ersten Ansätzen gegen Ende des 18. Jahrhunderts, unter anderen von Johann Friedrich Oberlin, Louise Scheppler oder 1802 Pauline zur Lippe gründete 1840 der Thüringer Friedrich Wilhelm August Fröbel den ersten Kindergarten in Deutschland, in Bad Blankenburg. Bereits zwei Jahre zuvor hatte der Marlishäuser Pfarrer Johann Samuel Ferdinand Blumröder eine Kleinkinderbewahranstalt in dem zu Schwarzburg-Sondershausen gehörenden Dorf gegründet. Der deutschlandweit erste Kindergarten wurde jedoch bereits 1837 in Fürth vom dortigen Pfarrer Lehmus gegründet, die Einrichtung finanzierte sich vollständig durch Spenden.

Den Namen wählte Fröbel, da das Kind wie eine Pflanze gepflegt und heranwachsen soll. 1851 bis 1860 wurde der Kindergarten in Preußen verboten. Angelika Hartmann gründete 1864 in Köthen (Anhalt) den ersten Kindergarten nach Fröbel und 1876 den „Leipziger Fröbelverein“. Der Pädagoge August Köhler war bereits 1863 Initiator und Mitbegründer des „Deutschen Fröbelvereins" zunächst für Thüringen, aus dem 1872 der „Allgemeine Fröbelverein“ und ein Jahr später, 1873, der „Deutsche Fröbelverband“ hervorging. Köhler entwickelte eine eigenständige „Köhler-Kindergartenpädagogik“. Der Anteil der Kinder, für die ein Kindergartenplatz zur Verfügung stand, erreichte bereits 1910 etwa 13 %. Dies blieb auch in der Weimarer Republik so. In der Zeit des Nationalsozialismus wurde die Zahl der Kindergartenplätze in Deutschland mehr als verdoppelt (Versorgungsquote 1941:31 %).

Ende 1971 standen für je 100 Kinder an Kindergartenplätzen zur Verfügung:

  • 72,2 Plätze in Stuttgart
  • 59,6 Plätze in Würzburg
  • 59,3 Plätze in Saarbrücken
  • 58,4 Plätze in Mainz
  • 57,1 Plätze in Frankfurt am Main
  • 48,0 Plätze in Augsburg
  • 43,9 Plätze in Nürnberg
  • 43,1 Plätze in München
  • 40,4 Plätze in Regensburg
  • 39,1 Plätze in Dortmund
  • 33,9 Plätze in Köln
  • 31,8 Plätze in Bremen
  • 30,7 Plätze in Westberlin
  • 23,4 Plätze in Hamburg
  • 17,5 Plätze in Kiel

Quelle: Süddeutsche Zeitung vom 17. November 1972

In der DDR gab es 1972 rund 11.359 Kindergärten, in denen 659.000 Kinder betreut wurden. In den Einrichtungen der Vorschulerziehung standen für je 100 Kinder im Vorschulalter 69,2 Plätze zur Verfügung. 1989 konnte praktisch jedem Kind bei Bedarf ein Kindergartenplatz zur Verfügung gestellt werden.

Eine spezielle Form des Kindergartens ist der Schulkindergarten.

Die Pädagogik der frühen Kindheit und der Kindergarten als klassischen Ort begleitender Erziehung stehen aktuell im Fokus der öffentlichen Diskussion. Der Kindergarten als wichtige Institution im Bildungsgefüge hat das Interesse der Fachleute, der Politik und weite Kreise der Bevölkerung geweckt. Derzeit vollzieht sich der Wandel vom Kindergarten als pädagogische Einrichtung mit einem ausgeprägtem Betreuungsauftrag hin zum Kindergarten als Bildungseinrichtung. Verschiedene Bundesländer haben Programme zur Verbesserung der Bildungsqualität entworfen. Initiativen wie beispielsweise PIK (Profis in Kindergärten) der Robert-Bosch-Stiftung, streben eine Professionalisierung der Arbeit an. Der Orientierungsplan des Landes Baden-Württemberg beispielsweise sieht Bildung als ganzheitliche Förderung der Entwicklung des Kindes an. Das Kind soll in seinen Anlagen und Entwicklungsstufen ganzheitlich individuell gefördert werden. Der Orientierungsplan betont, dass Bildung nicht als schulische Ausbildung zu verstehen ist und Lerninhalte von der Grundschule in die Kindertagesstätte verlagert werden. Ziel des Orientierungsplanes ist es, die Kindertageseinrichtungen auf der Grundlage der neuesten Erkenntnisse der Kognitionsforschung als primäre Bildungseinrichtungen im Sinne einer ganzheitlichen Förderung verstanden auszubauen. Die Kinder sollen ihren individuellen Begabungen entsprechend gefördert und Defizite rechtzeitig erkannt werden. Schwerpunkte liegen vor allem auf der Förderung der Motorik, der Sprache, der Sozialkompetenz und der Kreativität.


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